Soziologie der Nachhaltigkeit

Wissenschaftliches Netzwerk
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Anliegen und Beschreibung des Netzwerks

Das Netzwerk Soziologie der Nachhaltigkeit (SONA) hat sich 2017 als von der DFG gefördertes wissenschaftliches Netzwerk gegründet. Nach Förderende wird es ab 2020 als Arbeitskreis der Sektion Umweltsoziologie sowie weiterer Sektionen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie fortgeführt. Das Netzwerk zeichnet sich dadurch aus, dass es konkrete Themen, die für eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung relevant erscheinen, mit einer spezifisch soziologischen Blickrichtung verbindet:
Zu diesen konkreten Themen gehören insbesondere: Nachhaltigkeitspolitik(en), Reflexion auf Nachhaltigkeit als Diskurs, die Verknüpfung ökologischer und sozialer Fragen (Ungleichheitsdiskurs), Zukunft (Prognosen, Modellierungen, Szenarien, Utopien und Dystopien).
Die spezifisch soziologische Blickrichtung zeichnet sich durch drei Elemente aus:

Nachhaltigkeit und Normativität: Der Arbeit im Netzwerk SONA ist ein weites Verständnis von Nachhaltigkeit zugrunde gelegt. Weder ist Nachhaltigkeit allein auf ökologische Fragestellungen bezogen, noch wird ein konkreter Begriff von Nachhaltigkeit vorausgesetzt. Vielmehr gehen wir davon aus, dass sich „Nachhaltigkeit“ auf eine Vielzahl von Phänomenen bezieht, die es in ihrer Genese, ihrer Verortung, ihrer Normativität, ihrem Vollzug und in ihren Wirkungen zu untersuchen gilt. Neben ökologischen Fragen sind soziale Fragen wie insbesondere die Ungleichheitsproblematik und deren wechselseitige Durchdringungen explizit einbezogen. Unterschiedliche Verständnisse von Nachhaltigkeit – beispielsweise als Postwachstum, als ökologische Modernisierung, als globale Nachhaltigkeitsziele („Sustainable Development Goals“) oder als CO2-Reduktion – werden vergleichend berücksichtigt. Eine eigene Normativität mag sich aus der Diskussion solcher Unterschiede ergeben, wird jedoch vorher nicht gesetzt. Dies ermöglicht es, die unterschiedlichen, mitunter höchst widersprüchlichen Verständnisse von Nachhaltigkeit nicht nur aufzudecken, sondern auch in einem Zusammenhang zu analysieren.

Sozialer Wandel und Gestaltung: Das Netzwerk geht grundsätzlich von der Veränderlichkeit des Sozialen aus. Zum einen fokussieren wir auf Theorien, die Wandlungsprozesse in den Blick zu nehmen erlauben – sei es auf der Ebene der Interaktion oder Praxis, sei es auf der Ebene von Gesellschaft. Zum anderen fragen wir, wie solche Gestaltungsprozesse aussehen (können) und welche Rolle die Soziologie dabei spielen kann. Damit geht zugleich der Anspruch einher, eine soziologische Perspektive auf Nachhaltigkeit anderen Disziplinen sowie der Öffentlichkeit zu vermitteln. Dazu wird nicht nur das Profil der soziologischen Perspektive für sich geschärft, sondern diese im Austausch mit Wissens-Multiplikator*innen, also Personen und Institutionen an Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft, weiterentwickelt.

Reflexivität zweiter Ordnung: Das Netzwerk Soziologie der Nachhaltigkeit hat zum Ziel, soziologische Perspektiven in die Diskussionen über Nachhaltigkeit einzubringen. Im Unterschied zur ersten Welle einer Soziologie der Nachhaltigkeit zeichnen sich die aktuellen Diskussionen im Netzwerk dadurch aus, dass sie neben der kritischen Analyse praktischer Interventionsversuche und begrifflich-theoretischen Perspektivierung von Nachhaltigkeit zusätzlich auf den akademischen und den öffentlichen Nachhaltigkeitsdiskurs und die Nachhaltigkeitspraxis der letzten Jahrzehnte reflektieren.  Die Soziologie der Nachhaltigkeit zeichnet sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie so etwas wie eine integrative und vermittelnde Rolle im disziplinären Gespräch über Nachhaltigkeit hat, indem sie die Begriffe und Positionen anderer Disziplinen miteinander ins Gespräch bringt.

Wissenschaftliches Netzwerk – Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft